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30.04.21

5 Tipps für einen richtig guten Auftritt

Wir arbeiten schon lange mit Gunther Schnatmann zusammen. Immer dann, wenn es darum geht, unsere Kunden gut auf Interviews vorzubereiten. Vor allem, wenn diese vor der Kamera stattfinden. Zum Medientraining gehört, dass wir kritische Fragen und kluge, mögliche Antworten üben, die auf den eigenen gewünschten Content einzahlen. Aber natürlich auch, wie man vor einer Kamera auftritt. Seit über einem Jahr stehen wir alle ständig vor der Kamera. Und sehen meist nicht so gut aus, wie wir könnten. Doch Gunther weiß Rat, den wir hier gerne mit euch teilen.

Ob Videokonferenzen im Business, öffentliche Auftritte bei Pressekonferenzen oder Interviews mit Zoom + Co.: nach mehr als zwölf Monaten ist es Zeit für ein Fazit. Und für Beobachtungen und Hinweise, die noch nicht bei Dr. Google nachzulesen sind.

Zunächst: Als Medientrainer, der normalerweise Menschen für Auftritte vor professionellen TV-Kameras vorbereitet, tat sich auch für mich ein neues Feld auf – das ich zwar kannte, aber eher widerwillig bespielte (also das gute alte Skypen). Kamerablickwinkel von unten in die Nasenlöcher, drumherum gespensterbleiche Gesichter und eine Bild- und Tonqualität mit Ruckeln und Aussetzern zum Grausen.

Durch Corona wurde das nun zum Standard und ich durfte schauen, wie ich mit meinen Experten für Bild, Ton und Körpersprache an der Seite hier den Pressesprechern, Wissenschaftlern, Geschäftsführern oder Politikern helfen konnte. Dabei ging es in den Medientrainings für Interviews per Videokonferenz zwar um – teils – hochwichtige Gespräche mit Lokalzeitungen, mit Regionalradios, Fachzeitschriften oder auch mal mit einem Fernsehsender. Aber letztlich ging es auch immer um das Nadelöhr Web-Kamera/Stream, das ebenso im täglichen Business für jeden Jour Fixe, jede Montagskonferenz, jeden International-Call und so weiter von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.

Deshalb hier Erfahrungen und Tipps, was sowohl bei Video-Pressekonferenzen und Interviews als auch bei einem Abteilungs-Meeting schief gehen kann und was man besser machen kann.

Erste Erfahrung: Die Kamera schwenkt nicht mit

Ein großer und bedeutender Verband hatte im letzten Herbst zur großen Pressekonferenz per Zoom geladen. Journalisten waren zugeschaltet und die einzelnen Protagonisten des Verbandes natürlich auch. Einer davon erregte besondere Aufmerksamkeit, denn bei ihm sprach der linke Oberarm. Zumindest war nur dieser im Bild zu sehen, als der dazugehörige Mund Sätze formulierte. Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Wer sich als Zuseher nur auf eine Bildstörung konzentriert, bekommt von überaus wichtigen textlichen Inhalten so gut wie nichts mit, der ganze Vortrag ist also für die Katz.

Daher gilt es vorab die Frage zu klären: Sind mein Gesicht und der obere Teil meines Oberkörpers im Bild? Kann das jemand, der physisch neben mir steht oder sitzt, nachprüfen? Kann das alternativ jemand auf der anderen Seite der Leitung machen, bevor das offizielle Gespräch beginnt?

Zweite Erfahrung: Ich bin mit meiner Umgebung ein Gesamtkunstwerk

Jahreskonferenz einer Bildungseinrichtung: Hochkarätige Menschen referieren und diskutieren mit Ihresgleichen. Im Hintergrund sind hochgradig spießige Zinn-Bierkrüge, Sammelbände von Simmel und Konsalik, plüschige 80er-Jahre-Sofas zu sehen. Nicht bei jedem, aber bei jedem zweiten. Der gehobene Mittelstand verfügt über einen ausgebauten Dachboden, der nach dem Auszug der Kinder als Rumpelkammer herhält. Ein eingerichtetes Homeoffice gibt es nicht. Und damit der Ehepartner nicht gestört wird, geht man zum Video-Konferieren einfach in diese Rumpelkammer.

Dabei gibt es aber auch noch Varianten, wie ich sie bei diversen Interviews von Experten in heimischer Quarantäne per Video-Konferenz in ARD und ZDF beobachten konnte. Das eine Modell nenne ich „Gulag“. Das ist ein winziger kahler Raum mit höchstens einer Kommode oder einem Spiegel im Hintergrund, insgesamt könnte es eine Gefängniszelle sein. Das andere Modell heißt Eiche-Rustikal. Menschen, die Konsalik auf dem Dachboden meiden und auch sonst keine Rückschlüsse auf irgendwas liefern wollen, platzieren sich vor Schranktüren, weil diese ja so neutral sind. Stimmt nicht: Auch hier beginnt beim Zuschauer das Kopfkino – Furnier oder Original? IKEA oder eBay?

Daher: Darauf achten, dass mein Hintergrund Botschaften kommuniziert. Also eine professionelle Office-Atmosphäre schaffen, oder im Notfall nur weiße Wand oder einfach einen unspektakulären virtuellen Hintergrund (der nicht ablenkt) wählen!

Dritte Erfahrung: Das Vergrößerungsglas

Ja, auch im professionellen TV-Interview kann man ein wenig zerrupft aussehen. Ich will jetzt nicht auf den in der Pandemie stark gefragten Karl Lauterbach eingehen. Aber es geht bei Video-Konferenzen und Interviews per Zoom, Teams oder sonstwas noch weit derangierter. Denn: Die Kamera wirkt wie ein Vergrößerungsglas, das Gesicht ist oft sehr viele Minuten und manchmal in Konferenzen Stunden auf dem Bildschirm zu sehen und im Laufe der Zeit scannen die Betrachter jede Falte und Beule genau ab. Das lässt sich generell kaum vermeiden, gerade Männer werden selten daheim zum Wattebausch der Gattin greifen und sich Puder aufs Gesicht geben. Sollten sie aber eigentlich, um Schweiß, Glanz, Pickel abzudecken. Auch hier gilt: Alles ist ein Gesamtkunstwerk, Auffälliges und Außergewöhnliches lenkt von wichtigen Inhalten ab.

Daher: Wirklich wichtige Gespräche per Video verlangen nach einem unauffälligen neutralen Äußeren. Dazu gehört auch, auffälligen Schmuck wie schaukelnde Mini-Papageien aus Gold oder Silber im überdimensionalen Ohrring abzulegen.

Vierte Erfahrung: Freundlichkeit siegt!

Hier eine Erfahrung aus einer virtuellen Bilanz-Pressekonferenz einer Aktiengesellschaft. Der Vorstandsvorsitzende (CEO) brachte gute Argumente für Neuausrichtungen, erzählte über den Stand der Forschung – und wirkte dabei trotz positiver Inhalte irgendwie unsympathisch. Leicht stechender Blick, dazu große Ernsthaftigkeit ohne jede Emotion. Nun ist das bei großen Veranstaltungen vor Publikum ohne Corona nicht ungewöhnlich – aber da sind die Zuschauer abgelenkt von Präsentationen, sehen den Redner aus der Ferne, sprechen mal zwischendurch mit dem Nachbarn. Bei einem lang anhaltenden Video-Vortrag dagegen sind alle Blicke lange auf den Redner und seine Mimik gerichtet.

Daher: Die dauerhafte Nah-Einstellung „frisst“ Freundlichkeit. Hier sollte jeder – bei nicht zu traurigen Inhalten – den Mut zum Lächeln haben! Auch mal innehalten und einfach nett und zuversichtlich schauen. Das wirkt Wunder, wird aber zu häufig vergessen.

Fünfte Erfahrung: Vorsicht bei einer parallelen Präsentation – wenn die Schrift-Inhalte das Statement konterkarieren!

Wer bis hierhin gelesen hat und wem vieles zuvor vielleicht schon bekannt vorkam, sollte jetzt doch eines beachten, was auch Profis häufig passiert: Das Aufklappen einer Bild-Text-Schere, wenn also das Gesagte sich mit dem Gezeigten beißt. So geschehen bei einer anderen Video-Quartalsberichterstattung. Da wurden zum Vortrag – völlig üblich – Präsentationsfolien mit Umsatzzahlen, Zielen und so weiter gezeigt. Am Ende blieb die Präsentation bei der Folie stehen, wie das Unternehmen die Dividende für die Aktionäre steigern kann. Dann kamen die Fragen der zugeschalteten Medien und es ging um mögliche Entlassungen und es wurde tatsächlich abgehandelt, dass ein unprofitabler Geschäftszweig geschlossen wird und die Mitarbeiter sozialverträglich dort ausscheiden. Während parallel weiter der Profit für die Aktionäre gezeigt wurde!

Daher der ganz einfache Hinweis: Wenn ich meine Themen mit Hilfe einer Präsentation abgehandelt habe und mich danach den Fragen stelle, muss ich eine neutrale Seite – und sei es nur mein Firmenlogo – zeigen. Oder die Präsentation ganz schließen. Denn es können immer völlig unerwartete Fragen kommen, die unglücklicherweise einen konträren Bezug zu meinen noch für alle sichtbaren letzten Folien-Infos haben.

Bei Video-Konferenzen lauern also doch allerlei Gefahren, die vielen nicht bewusst sind. Gerade für Führungskräfte und für öffentliche Auftritte ist hier deshalb professionelle Vorbereitung sinnvoll. Damit die Botschaften ohne Ablenkungen klar rüberkommen.

Gunther Schnatmann ist gelernter Journalist und arbeitet bei der Topcom Academy als Medientrainer für Unternehmen aller Branchen. Seit 2021 ist er zudem Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Forschungskommunikation GmbH in München und schult Wissenschaftler für Auftritte in der Öffentlichkeit. Er lehrt seit zehn Jahren an der International School of Management.

 



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